Eine Zeile des Untertitels Geschichtliches Christian Stamm, Hofgärtner, 1846 - 1917 Zwei Brüder und zwei Schwestern wanderten nach Amerika aus. Nach der Elementarschule verbrachte Christian Stamm einige Jahre beim Grossvater im Hofgut Paradies als Knechtli. Sein besonderes Interesse galt schon früh der Botanik. 1862 begann er eine Lehre bei Gärtnermeister Häusser in Zürich. Eine erste Stelle als Gärtnerbursche führte Christian Stamm ins Toggenburg nach Lichtensteig. Weiter Stationen waren die Touristenorte Interlaken und Luzern. In Luzern wurden die Weichen für sein weiteres erfolgreiches Leben gestellt. Dort wurde er vom Haushofmeister der englischen Königin Victoria engagiert, die das Hotel Gütsch und den dazugehörigen Park für ein Jahr gemietet hatte. In früheren Jahren strebten ausgelernte Handwerker danach, ihre Kenntnisse in einem fremdsprachigen Land zu erweitern, so auch unser Gärtner. Sein Ziel war Paris. Die Zeugnisse von Luzern verschafften ihm Eingang in den damals als Weltwunder betrachteten Wintergarten, der im Rahmen der Weltausstellung 1867 in Paris erstellt worden war und wo er als erster Gärtnergehilfe Anstellung fand. Die Fachschulen von Paris boten ihm Gelegenheit, seine technischen Kenntnisse zu vervollkommnen. Eifrig widmete er jede freie Stunde diesem Studium. Im Jahre 1868 kam Ismail Pascha, der künftige Vizekönig von Ägypten, nach Paris. Er fasste sofort den Plan, in seiner Residenzstadt einen gleichartigen Park anlegen zu lassen. Stamm wurde mit der Arbeit betraut, 1869 reiste er  nach Kairo, und unter seiner Leitung entstand der für lange Zeit als Muster gärtnerischer Anlagen geltende Garten von Ezbekieh. Heute mitten in Kairo gelegen, von Strassen umgeben und durchkreuzt, galt er einstmals als die grüne Lunge der Stadt. Christian Stamm wurde 15. Januar 1846 in Schleitheim geboren. Seine Eltern waren Martin Stamm und Magdalena, geb. Meyer. Er wuchs als zweitältester von neun Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Sein Elternhaus stand im Oberdorf an der "Donau". Es brannte 1905 ab und wurde nicht wieder aufgebaut. Stamm wurde zum ägyptischen Staatsbeamten ernannt, ihm unterstand die Aufsicht über die königlichen Gewächshäuser und Parkanlagen, die staatliche landwirtschaftliche Schule beanspruchte seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen, um neue Kulturarten zu erproben und einzuführen und so finden wir ihn schon nach wenigen Jahren im Besitz des Titels eines Professors an der "Ecole d'agricultur". Als solcher wurde ihm der Auftrag zuteil, für den Khediven eine Fläche von etwa 1000 Hektaren Land  mit Baumwolle zu bepflanzen. Prinz Hussein übertrug ihm die Aufsicht seiner Orangerie. Als der Schweizer Werner Munzinger Pascha aus Olten, Afrikareisender, zum Gouverneur in Abessinien ernannt wurde, war Christian Stamm sein Begleiter und Berater. Auch das Landwirtschaftsministerium von Siam (heute Thailand) beanspruchte seine Dienste zu kolonisatorischen Arbeiten, und dass diese zur Zufriedenheit der Regierung ausgefallen sind, davon gibt die nachstehende, durch Reallehrer Wanner ins Deutsche übersetzte Urkunde, begleitet mit einem goldenen Orden, beredtes Zeugnis. Somdetsch Phra Patamindr Maha Chulankorn, Phra Chula Chom  klao , König von Siam, sowohl des Nordens , wie des Südens, und aller seiner Untertanenländer ….. Laos, Malays, Koereans, Herr und Grossmeister des höchst erhabenen Ordens der Krone von Siam Allen und insbesondere denen, die dieses zu Gesichte bekommen werden, Sei kund und zu wissen dass Wir geruht haben, zu ernennen und einzusetzen Christian Stamm, Gärtner zum Mitglied V.Klasse, genannt Vichitrabhorn, oder Ritter unseres höchst erhabenen Ordens der Krone von Siam eine Ehre, welche er fortan und in Zukunft beibehalten und geniessen soll. Möge ihm jene Macht, welche die höchste ist im Weltall, Glück und allerlei Segen spenden und nie von ihm weichen lassen. Geschrieben am 13ten Tag des Novembers 1897, dem 10 595ten Tag unserer Regierung. Sig. Chulalonkorn R. S Von Siam zurückgekehrt, übernahm er die Verwaltung der 178 916 Hektaren umfassenden Staatsdomäne "Schubra". Das vom k.k.österreichischen Hofbeamten Maximilian Truchsess herausgegebene Werk "Streifzüge eines Landwirths" sagt über die Tätigkeit Stamms als Verwalter der "Schubra" folgendes: "Ihm sind auch die Versuchsfelder  anvertraut, auf denen die Pflanzungen in Kultur stehen, welche die neugegründete, rührige "Société égitienne d'agriculture" (Präsident ist Haidar Pascha) durch Verteilung von Samen gegen Beobachtung rationeller Behandlung und halben Ertrag in Aufnahme zu bringen sucht. Zwei vielversprechende Textilpflanzen: Rameh (Chinagras) und Jute; drei Futtergewächse: die Angola-Erbse von der Insel Sankt Maurice; die indische Kartoffel (impomea patata) mit 500 Meterzentner Grünfutter in drei Schnitten und überdies 300 Meterzentner Knollen; die perennierende (mehrjährige), stickstoffreiche Reana luxurians (im französisch sprechenden Ägypten Téosinthe genannt) aus Guatemala stammend, wurde von ihm kultiviert." Auf Veranlassung von Prinz Hussein, mit dem ihn eine innige Freundschaft verband, kaufte Stamm im Jahre 1905 einen Streifen Land am Nil, Sumpf- und Schwemmgebiet. Das vorher unproduktive Land erfuhr durch den bewährten Organisator eine totale Umwandlung. Mit einer Feldbahn wurden die alten Nilsümpfe ausgefüllt, Unebenheiten ausgeglichen, Bewässerungsanlagen geschaffen. Aus dem unproduktiven Gebiet wurde ein Garten, ein Kulturgebiet von ausserordentlicher Fruchtbarkeit. Bald darauf musste ein Teil des Landes für den Bau der Nilbahn zurückgekauft werden, Christian Stamm wurde ein reicher Mann. Die Schweizerkolonie hatte in Stamm eine starke Stütze. Manch junger Schweizer verdankte ihm sein Fortkommen in Ägypten. Auszug aus dem Buch: Cent ans de vie suisse au Caire ...Übrigens war es Christian Stamm, der zusammen mit dem Architekten Brügger den nötigen Fonds für den Bau eines Chalet und einer Kegelbahn zusammenbrachte, die auf dem von der Regierung grosszügig zur Verfügung gestellten Grundstück errichtet wurden. Es wurde die Wiege des "Schweizer Zirkels". Eine kunstvolle, gefällige Anlage aus Stämmen junger Palmen wurde in Form von Halb-Rondellen darauf errichtet. Das Ganze war zugleich sowohl sehr solide als auch malerisch, so dass diese Arbeit von Stamm und Brügger im Rahmen des Möglichen erhalten blieb, trotz Vergrösserungen und Änderungen. Christian Stamm hatte sein Heimatdorf nicht vergessen. In den 1890-er Jahren sandte er in einer versiegelten Kiste eine ägyptische Kinder-Mumie nach Schleitheim, bestimmt für die Realschule als Anschauungsobjekt. 1904 kam eine weitere Sendung mit einem 2,5 m langen, ausgestopften Nil-Krokodil sowie eine grössere Anzahl von kunstvollen arabischen Ornamenten aus einer alten Moschee. Das Krokodil und die kleine Mumie in ihrem Sarg sind noch vorhanden, während die Ornamente verloren gingen. Dem 1909 gegründeten Jugendsport schenkte Stamm grosszügigerweise 65 Rucksäcke und Reisegeschirr. 1908 beschloss Christian Stamm nach Schleitheim zurückzukehren. Er verbrachte einige Tage in Port Said um auf sein Schiff zu warten. Als er ein Bad im Meer nahm, fiel ihn ein Hai (der wohl nicht so gross war) an und biss ihn in die Hand. Stamm versetzte ihm einen kräftigen Schlag auf die Nase, sodass der Angreifer seine Beute loslassen musste. Die Hand war in einem erbärmlichen Zustand  und so begab er sich zu einem Arzt in Zürich, dem er in "Schwyzerdütsch" erklärte, ein Hai habe ihn während des Badens gebissen. Der Arzt, schlechten Witzen wenig zugetan, sah Stamm missbilligend an und sagte streng: "Redet kei dumms Züg, es git kei Hai im Zürisee!" Schon bevor Christian Stamm festen Wohnsitz in Schleitheim nahm, hatte er mit Widerwärtigkeiten zu kämpfen.  Beim Landkauf für die Obstanlage wurde eine Servitut mit einem Entwässerungsgraben aus dem Eisweiher von Bierbrauer Christian Stamm, im sog. Eggwisli, nicht beachtet, was 1907 zu einem Prozess führte, der als "Wasserprozess" bekannt wurde. Kaum waren die beiden Bauten - die Villa Aïda und das Gärtnerhaus beim Rank in Oberwiesen 1907 erstellt, folgte ein weiterer Prozess mit Baumeister Heinrich Stamm, der nach langwierigen Verhandlungen erst 1910 entschieden wurde. Missgunst und Neid setzten dem initiativen "Ägypter" zu. 1909 wurden an über 1000 Obstbäumen - meist seltene Sorten -  die unteren Leitäste weggeschnitten. Weitere Schikanen folgten.Trotz dieser Widerwärtigkeiten behielt Christian Stamm seinen Humor und seinen Optimismus. Christian Stamms erste Frau starb 1896 in Kairo. Aus der Ehe stammen zwei Söhne. Im März 1911 heirate er Bertha Sennhauser von St. Gallen. Wirtschaftlich wagte er einen mutigen Schritt. Von Nationalrat Samuel Wanner kaufte er die "Wutachwerke" - das gesamte Industrie- und Gewerbegelände in Oberwiesen zur Erhaltung und Neubelebung der Industrie. Seine Pläne erfüllten sich nur teilweise.  Er verstarb am 5. September 1917 in Schleitheim-Oberwiesen. Fast vier Jahrzehnte stand er im Dienst des ägyptischen Hofes in Kairo. 1908 Jahren kehrte er zurück.